Schweizer Wasserfahrverband

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Martin, Du hast das Projekt "fahrWasser" vor gut zwei Jahren ins Leben gerufen. Was war der Auslöser?

Es waren eigentlich mehrere Punkte, die mich dazu veranlassten. Einerseits hatte ich schon als Jungfahrleiter die Beobachtung gemacht, dass wir Wasserfahrer bei den Behörden und den Medien sehr schwach präsent sind. Der starke Mitgliederschwund ist für mich unter anderem darauf zurückzuführen. Andererseits waren die leeren Festzelte, sowie die schlechte Wettkampfbeteiligung ausschlaggebend.

Der Grundstein wurde jedoch bereits vor meiner Amtszeit von Reto Luginbühl gelegt mit einem Workshop zur Weiterentwicklung des Wasserfahrens anlässlich der FUKO 2012. Nach meiner Amtsübernahme wollte ich auf diesen Bemühungen von Reto aufbauen jedoch nicht zu forsch an die Sache rangehen und so liess ich die Saison verstreichen um mich erst einmal in die operativen Tätigkeiten einarbeiten zu können.

 

Der wiederholte Appel zweier regionaler Verbandspräsidenten, nämlich von Gilles Kolb und Thomas Becker, die sagten "Tinu mach öbbis", verstärkten meinen Willen, die Weiterentwicklung unserer Sportart doch noch in meinem ersten Amtsjahr anzugehen. Ich traf mich mit Gilles und Thomas einzeln zu einem Abendessen in Bern und besprach mit jedem separat, wo aus ihrer Sicht Probleme bestehen und wie wir Veränderung am besten umsetzen könnten.

 

Nach diesen Gesprächen stellte ich ein Kernteam zusammen und präsentierte es zusammen mit der Idee ein Projekt zu starten an der Funktionärskonferenz 2013. Mir war dabei wichtig, dass dieses Team aus motivierten Leuten besteht, die auch über den nötigen Einfluss in den Vereinen resp. regionalen Verbänden verfügen und die nötige Zeit aufbringen können. Die Idee mit dem Projekt kam an der FUKO13 gut an und das Kernteam wurde beauftragt, den Projektauftrag bis zur DV2014 auszuformulieren. Im Januar 2014 hatten wir unser KickOff Meeting (1 Wochenende in Aarburg) und formulierten den Auftrag, der dann an der Delegiertenversammlung auch verabschiedet wurde. So entstand das Projekt "fahrWasser".

 

Welche Ziele verfolgt das Projekt?

Das Projekt soll uns helfen die Zukunft unserer Sportart langfristig zu sichern. Es soll ein umfassendes Konzept für die Neupositionierung der Sportart innerhalb der Schweizer Bevölkerung erarbeiten. Dazu gehören eine Vision, eine Strategie und ein Leitbild und eine zielgruppenorientierte Kommunikation. Dies fehlte mir seitens Verband. Das Gesamtkonzept soll Lösungen und Massnahmenpläne in sämtlichen Bereichen beinhalten (Marketing, Wettkämpfe und Anlässe, Nachwuchsförderung, Bindung von bestehenden Mitglieder, Finanzierung usw.)

 

Die Umsetzung der einzelnen Massnahmen soll spätestens nach Projektabschluss beginnen und regelmässig überprüft werden. Ca. 10 Jahre nach Projektabschluss kann eine erneute Standortbestimmung durchgeführt werden.

 

Hast Du den nötigen Rückhalt im Verband und in den Vereinen?

Auf jeden Fall! Im Verband spüre ich die Unterstützung zu 100%. Denn die Leute haben gemerkt, dass etwas getan werden muss, um die Zukunft des Wasserfahrens zu sichern. Diese Veränderungsbereitschaft zeigt sich zum Beispiel bei der Aufgeschlossenheit zur Finanzierung von Werbekrediten. Bestes Beispiel war der Werbeanlass im Verkehrshaus Luzern letztes Jahr, welcher ja grundsätzlich nichts mit dem "fahrWasser" Projekt zu tun hatte, in den der Verband jedoch sehr viel Zeit und Geld investiert hat. Aber auch in den Vereinen spüre ich den Rückhalt, es wird über das Projekt "fahrWasser" diskutiert, ich werde gebeten an GV's über das Projekt zu referieren und in den Vereinsbulletins wird Werbung gemacht. Klar gibt es auch negative Kritik.

 

Welches sind die grössten Hürden?

Bis jetzt hatten wir eigentlich keine grossen Hürden zu überwinden. Die grösste Hürde könnte jedoch die Umsetzung werden, denn die geht nur miteinander und nur wenn alle Vereine am gleichen Strick ziehen, wenn möglich in die gleiche Richtung. Darum sollten die Vereine nicht abwarten, sondern sich aktiv in den einzelnen Projektteams einbringen. Nur so können alle Aspekte und Bedürfnisse erfasst werden. Zum Schluss müssen auch Kompromisse eingegangen werden, damit die Strategie von allen getragen wird.

 

Was wurde bisher erreicht, gibt es erste Erfolge?

Das ist natürlich schwierig zu beantworten, da wir noch in der Entwicklungsphase sind.

Der Projektstart ist aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Wir haben eine Plattform geschaffen die es den Vereinen erlaubt und sie auch motiviert Dinge auszuprobieren, z.B. die vorgestellten Sofortmassnahmen des Projektteams. Zudem spüre ich eine Zunahme des Austausches unter den Vereinen. Ein weiterer Erfolg ist die Schaffung eines Gefässes von vielen zusätzlichen Ressourcen und umfassenden Wissen auf Ebene Verband, was ich persönlich als unseren grössten Erfolg ansehe. Ich bringe hier nochmals den Verkehrshausevent, der innerhalb von zwei Monaten organisiert und erfolgreich durchgeführt wurde. Ohne die Mithilfe zweier "fahrWasser" Teilprojektteams hätten wir das nicht geschafft. Die Verantwortlichen des Verkehrshauses staunten nur so ab der Professionalität der Umsetzung. Man sah, die Wasserfahrer können etwas! Vielen Vereinen gibt "fahrWasser" auch einen Hoffnungsschimmer.

 

Einigen geht die Umsetzung zu langsam voran, für andere zu schnell. Was erwiderst Du diesen Leuten?

Diejenigen, denen die Umsetzung zu langsam geht, sollten sich einmal bei privaten Firmen umschauen. Wie viele Vollzeitmitarbeiter sich damit über Jahre beschäftigen um eine schon bestehende Strategie zu verbessern. Wir entwickeln eine völlig neue Strategie, wo vorher keine war und machen das ehrenamtlich in der Freizeit. Den Leuten, denen die Sofortmassnahmen zu schnell gehen, sage ich, dass wir zuerst einige Vorschläge versuchshalber ausprobieren müssen, um zu sehen ob es funktioniert und gut ankommt. Dabei sind die Massnahmen noch nicht definitiv und können auch wieder verworfen werden.

 

Du engagierst Dich persönlich sehr stark für dieses Projekt, auf welche Unterstützung kannst Du dabei zählen?

Als erstes möchte ich da meine Freundin Marion Honegger erwähnen – sie ist übrigens Muttenzerin – mit der ich seit 14 Jahren glücklich zusammen bin. Ohne ihr Verständnis für mein schon fast fanatisches Engagement zugunsten des Wasserfahrens, würde ich es persönlich nicht schaffen.

Das Projekt "fahr Wasser" selbst umfasst sechs Teilprojekte à mindestens fünf Projektmitglieder, wobei das sechste Teilprojekt Rahmenbedingungen und Organisation noch nicht vollzählig ist. Wir sind also mittlerweile ein rund 30 Köpfiges Gesamtprojektteam.

Aber auch der komplette Verbandsvorstand unterstützt dieses Projekt mit vollen Kräften, auch diejenige Personen, die nicht direkt in den Teilprojekten arbeiten.

 

Mit welchen Versuchen und Neuerungen dürfen wir in diesem Jahr rechnen?

Wir gehen als nächstes in die Detailanalyse der externen und internen Umfrage, welche in den letzten 2 Jahren durchgeführt wurden. Auch lassen wir die Jugendumfrage 2015 des Bundesamts für Sport bei uns einfliessen. Mit diesem Paket geben wir nun Vollgas, um eine Strategie zu formulieren, das eigentliche Hauptziel im 2016. Des Weiteren werden die, an der diesjährigen Delegiertenversammlung beschlossenen Sofortmassnahmen versuchshalber getestet. Diese Massnahmen sind hauptsächlich beim Team Wettkämpfe und Anlässe angesiedelt. Die anderen Teilprojekte arbeiten an ihren Konzepten weiter und lassen diese immer wieder ins Gesamtkonzept einfliessen.

 

Herzlichen Dank an den WFV Muttenz, der das Interview zur Verfügung gestellt hat.